Zwischen Vorfreude und Ungewissheit

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Nach über einem halben Jahr Pause dürfen in Bayern wieder in allen Sportarten Wettkämpfe vor Zuschauern stattfinden. Einen Tag nach der Entscheidung der bayerischen Staatsregierung arbeiten Verbände und Vereine bereits unter  Hochdruck am Re-Start – und merken: Der Teufel liegt im Detail. Wie weit sind die Planungen vorangeschritten? Welche Fragen sind noch unbeantwortet? Wir haben uns in der Region umgehört.

Handball: Noch herrscht Skepsis

20 09 10 HandballSpieler, Trainer, Funktionäre und Fans sehnen auch im Handball die Rückkehr zur sportlichen Normalität förmlich herbei."Entsprechend groß war nach Wochen des Bangens und der Unsicherheit die Erleichterung, dass die Politik grünes Licht gegeben hat, dass ab 19. September im Amateursport wieder Wettkämpfe mit 200 Zuschauern bestritten werden dürfen. "Diese Information ist zunächst einmal gut und wurde von uns positiv aufgenommen.", sagt Christian Seiferth. Der Trainer und sportliche Leiter der neuen Spielgemeinschaft (SG) Helmbrechts/Münchberg lässt allerdings sofort ein großes Aber folgen: "Ich habe meine Zweifel, dass wir tatsächlich pünktlich starten können." Eigentlich sollen nach dem Rahmenspielplan die Bayern- und Landesligen am 2. Oktober den Spielbetrieb der Saison 2020/21 aufnehmen, zwei Wochen später die Bezirksoberliga und Bezirksligen. "Aber ob man das so halten kann?", fragt sich nicht nur Seiferth. Er sieht vor allem auf Vereine aus den Ballungszentren München, Nürnberg oder Würzburg mit der Öffnung der Hallen einige Probleme zukommen. Auch wenn die meisten Clubs ihre Hygienekonzepte wohl in den Schubläden hätten. "Ich kann mir dennoch nicht vorstellen, dass alle Betreiber ihre Hallen öffnen." Im ländlichen Bereich sei dies eher möglich. "Aber das hilft ja nichts, wenn woanders nicht gespielt werden kann. Dann wäre es schwer, den Ligaspielbetrieb durchzuführen." Seiferth befürchtet zudem, dass die Corona-Lage immer wieder für Unterbrechungen sorgen könnte. Die erlaubte Zahl von 200 Zuschauern betrachtet der sportliche Leiter des Landesligisten wertfrei. "Wir müssen aktuell mit dem zufrieden sein, was beschlossen wurde. 200 sind besser als
keine. Das kann uns schon helfen."

Nicht nur Seiferth, auch sein Amtskollege Marcus Kropf (HSV Hochfranken) ist eher skeptisch, was den Start im Oktober anbelangt. "Wir haben uns über die Nachricht natürlich gefreut. Es ist aber alles noch ein bisschen unklar. Was ist möglich und verantwortbar?" Kropf stellt sich die Frage, wie ein Spielbetrieb mit den Grundvoraussetzungen vereinbar wäre. "Beim Training können wir bis jetzt die Umkleidekabinen und die Duschen nicht benutzen. Das wäre in ein paar Wochen nicht so lustig, wenn wir die Spieler verschwitzt in die Kälte rausschicken müssten." Schwierig könne an Spieltagen auch werden, die von der Politik vorgeschriebenen Hygienekonzepte in der Praxis umzusetzen. Kropf nennt ein Beispiel: "Wie können wir an einem Heimspieltag mit bis zu fünf Begegnungen ausreichend lüften zwischen den Spielen?" Der Spielleiter der Handballer aus Selb und Rehau will deshalb noch nicht so recht an einen Start der Bezirksoberliga am 17. Oktober glauben. "Aber natürlich bereiten wir unsere Mannschaft genau auf diesen Tag vor."

Zuversichtlicher blickt Ulli Weber, der sportliche Leiter der HSG Fichtelgebirge, nach vorne. "Bei uns sind die Kanäle heißgelaufen und die WhatsApp-Gruppen geplatzt", beschreibt Weber die Stunden nach der Bekanntgabe, dass es wieder losgehen kann . "Auf dieses Signal haben wir gewartet. Jetzt liegt der Ball bei uns." Soll heißen, die Vereine sind gefordert. "Wir müssen schnell Konzepte entwickeln." Die HSG Fichtelgebirge werde das auf jeden Fall machen, um am 3. Oktober mit den Damen und Herren in Wunsiedel starten zu können. Weber hofft auch auf die Unterstützung der Städte und Landkreise bei der Freigabe der Hallen für den Breitensport. "Das will auch die Bevölkerung!" Gut leben kann der HSG-Spielleiter vorerst auch mit der
Zahl von 200 Zuschauern. "Das ist besser als nur 50 oder 80."

Quelle: Auszug aus Frankenpost Ausgabe Fichtelgebirge vom 10.09.2020, Sport aus der Region, Bericht: Andreas Pöhner, Peter Perzl, Bernd Nürnberger, Michael Hager, Hannes Huttinger und Marcus Schädlich, Foto: Eibner/Imago

 

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