Handballer plädieren für Abbruch

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Der Verband befasst sich zwar mit verschiedenen Szenarien einer Saisonfortsetzung für die Bayern- und Landesliga. Die Vereine vermissen darin aber die Sinnhaftigkeit.

Das Handballherz blutet. Das sportliche Miteinander, der persönliche Austausch innerhalb des Teams, der Plausch mit den Anhängern: Das alles fehlt wegen der Corona-Pandemie seit vielen Monaten. Und wird es so schnell wohl auch nicht geben. Zumindest für die Damen und Herren der Bezirksoberligen, Bezirksligen und Bezirksklassen dürfte die Saison bereits zu Ende sein, ohne dass die meisten von ihnen auch nur ein einziges Mal gespielt haben. Denn klar ist: Der vom Bayerischen Handball-Verband (BHV) in einem Dezember-Rundschreiben als spätestmöglicher Zeitpunkt für den Re-Start vorgesehene 28. Februar auf Bezirksebene ist definitiv nicht einzuhalten.

21 02 04 MarkusZumindest in der Bayern- und Landesliga will der BHV den Abbruch aber möglichst verhindern. "Es gibt aktuell mehrere mögliche Szenarien, die wir durchdenken", sagte Verbands-Chef Georg Clarke der "Mittelbayerischen Zeitung". "Ich könnte mir eine Einfachrunde oder eine Turnierform vorstellen, sodass wir eine Tabelle mit einem sportlichen Wert bekommen."

Eine Idee, die auf wenig Gegenliebe stößt bei Vereinsvertretern aus der Region. "Mir fehlt da einfach der Bezug zur Sinnhaftigkeit", sagt Christian Seiferth, Trainer des Handball-Landesligisten SG Münchberg/Helmbrechts, für den die Saison 2020/21 noch gar nicht begonnen hat. "Ich sehe deshalb zum gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt keinen Grund, an eine Fortsetzung zu denken. Fakt ist doch: Wir sind in einer Pandemie-Lage, in der auch die Politik nicht weiß, was sie macht. Und wir reden hier über Handball." Auch den Gedanken der BHV-Oberen, dass nach einem Okay der Politik den Mannschaften eine vierwöchige Vorbereitung genügen würde, kann Seiferth nicht nachvollziehen. "Da fehlt mir jegliche Wahrnehmung zum Sport. Einige Spieler haben fünf oder sechs Monate keinen Ball mehr in der Hand gehabt." Die Meinung des SG-Trainers: Einen Schlussstrich ziehen und für die neue Saison 2021/22 planen.

Ähnlich sieht das auch Ulli Weber, der sportliche Leiter des Landesligisten HSG Fichtelgebirge. "Wir können doch schon froh sein, wenn wir irgendwann in absehbarer Zukunft überhaupt wieder in die Hallen dürfen." Vor Ende März oder Anfang April werde das wohl sicher nicht erlaubt sein, meint Weber. Er sieht dann zunächst die Schulkinder in den Hallen. "Den Breitensport sehe ich da noch weit weg." Und wenn es soweit ist, würde es für die Handballer vor dem Re-Start mindestens eine sechswöchige Vorbereitung benötigen, erklärt Weber. "Vier Wochen, wie der Verband sagt, sind doch völlig vermessen. Das kann man den Spielern nicht antun. Die sind seit einem Vierteljahr auf Eis gelegt und brauchen eine längere Vorlaufzeit. Dann hätten wir Ende Mai. Was willst du da noch spielen?" Der BHV sollte lieber Nägel mit Köpfen machen, die Saison abbrechen und alles auf null zurücksetzen, meint der HSG-Sportleiter. "Und dann müssen wir hoffen, dass wir im September wieder mit einer normalen Saison beginnen können."

Auch in der Oberpfalz herrscht Unverständnis, dass sich der Verband zu keinem Abbruch entschließen kann. "Meiner Meinung nach träumt Georg Clarke (BHV-Präsident; d. Red.) einfach nur. Was die Pandemie mit dem Handball macht, hat man unlängst erst bei der Weltmeisterschaft gesehen. Das war eine reine Farce“, sagte Norbert Meier, Abteilungsleiter des Bayernligisten ASV Cham, der "Mittelbayerischen Zeitung". Für Meier gehe die angedachte Planung des Bayerischen Handballverbandes, die Saison eventuell in Turnierform oder einer Einfachrunde zu Ende zu bringen, noch aus einem anderen Grund völlig an der Realität vorbei. "Wenn man bedenkt, dass die Tschechische Republik Hochrisikogebiet ist – da ist über kurz oder lang nicht daran zu denken, dass die Spieler zum Training nach Cham kommen können." Und nicht nur für Cham sind Spieler aus dem Nachbarland nicht ganz unwichtig.

BHV-Geschäftsführer Thomas Reichard wollte auf Nachfrage unserer Zeitung noch keine Prognose abgeben, wie es weitergehen könnte. "Wir wollen uns nicht die Flexibilität nehmen lassen, müssen der Dinge aber noch harren." Der Verband wolle zunächst den nächsten Corona-Gipfel der Ministerpräsidenten abwarten. "Aber je länger sich die Pause zieht, umso schwieriger wird es, eine Lösung zu finden", sagt Reichard.

Quelle: Frankenpost Ausgabe Fichtelgebirge vom 04.02.2021, Sport aus der Region, Bericht: Andreas Pöhner, Foto: Peter Perzl

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