Handballer annullieren Saison 2020/21

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Der Bayerische Handball-Verband hat sich nach langem Zögern zu einer Entscheidung durchgerungen. Die Vereine haben endlich Klarheit. Es gibt weder Auf- noch Absteiger.

"Der Aufwand, den wir für dieses eine Spiel betrieben haben, war unglaublich", erinnert sich Marcus Kropf, sportlicher Leiter des Bezirksoberligisten HSV Hochfranken, an den 17. Oktober 2020. Zum Saisonstart hatten die Handballer aus Selb und Rehau erstmals ein Heimspiel unter Corona-Bedingungen ausgetragen. Strenge Hygieneregeln mussten eingehalten werden, Zuschauer waren in der Rehauer Sporthalle nicht erlaubt. Die Fans konnten die Begegnung gegen die HSG Fichtelgebirge II (31:19) lediglich zu Hause per Livestream verfolgen. Am selben Abend feierte die SG Münchberg/Helmbrechts II einen 23:19-Sieg in Bamberg. Es sollten die beiden einzigen Spiele in der Bezirksoberliga bleiben.

Während die Damen der HSG Fichtelgebirge in der Bayernliga zumindest zwei Begegnungen absolvieren konnten. Die Männer der HSG waren in der Landesliga sogar stolze drei Mal im Einsatz. Andere, wie der Ligakonkurrent SG Helmbrechts/Münchberg, kam bis zum coronabedingten Stopp der Saison noch nicht einmal zu seinem Premierenspiel, die Handballmannschaften der beiden Turnvereine aus den Nachbarstädten hatten vor der Saison fusioniert. Immerhin die zweite Mannschaft der SG Helmbrechts/Münchberg bestritt Mitte Oktober zum Saisonauftakt in der Bezirksoberliga ein Spiel beim HC 03 Bamberg – und gewann 23:19.

Die Handball-Saison 2020/21 hatte kaum begonnen, da wurde sie wegen der Pandemie schon wieder unterbrochen. Es folgten Wochen und Monate der Ungewissheit. Geht es noch einmal weiter – oder eher nicht? Die Spieler mussten sich für den Fall der Fälle, an den angesichts der hohen Inzidenzzahlen in der Region aber kaum einer glauben wollte, zumindest individuell noch ein bisschen fit halten. Der eine machte das mehr, der andere wohl weniger.

Seit Dienstag haben es die Vereine nun schwarz auf weiß: "Die Saison 2020/21 wird für alle Spielklassen der Männer und Frauen für beendet erklärt." Mit anderen Worten: Die Saison 2020/21 der Bayern- und Landesliga ebenso wie aller Spielklassen auf Bezirksebene wird abgebrochen und annulliert. Weil keine Wertung erfolgt, wird es auch weder Auf- noch Absteiger geben. Auch der Rückzug einzelner Vereine nach dem 18. September wegen der Corona-Pandemie wird hinfällig. Abweichend von der obigen Regle gilt aber: Mannschaften, die vor dem Stichtag 18. September 2020 zurückgezogen wurden, gelten als Absteiger. In einer Mitteilung des Bayerischen Handball-Verbands (BHV) heißt es deshalb weiter: "Die Saison 2021/22 wird somit in der Zusammensetzung und in den Spielklasseneinteilungen gemäß dem Stand am 18. September 2020 gespielt."

Das BHV-Präsidium um Präsident Georg Clarke und Geschäftsführer Thomas Reichard wirbt in der Mitteilung um Verständnis: "Durch die politischen Vorgaben, der Ungewissheit einer möglichen Wiederaufnahme des Handballsports und der zeitlich begrenzten Möglichkeit, eine Saison noch sportlich fair abzuschließen, ist dem Bayerischen Handball-Verband keine andere Vorgehensweise möglich." Die Entscheidung sei am Montag in einer Sitzung des Verbands-Präsidiums mit den Bezirksvorsitzenden einvernehmlich gefallen.

Bei den Handballvereinen in der Region stößt die HBV-Entscheidung auf Zustimmung, wie eine Umfrage unserer Zeitung unter mehreren Vereinen ergab. "Die Entscheidung war überfällig“, sagte etwa Christian Seiferth, Trainer und sportlicher Leiter in Personalunion beim Landesligisten SG Helmbrechts/Münchberg. "Das gibt uns jetzt Planungssicherheit für die Saison 2021/22.“ Auch insofern mache die Entscheidung Sinn.

Marcus Kropf, sportlicher Leiter des Bezirksoberligisten HSV Hochfranken, pflichtet bei: "Die Entscheidung ist absolut richtig, da sie alternativlos ist. Mannschaftssport in geschlossenen Räumen ist wahrscheinlich nicht der erste Punkt bei Lockerungen im Bereich Sport", sagt er. Deshalb seien auch andere Modelle, die angedacht waren, nicht mehr umsetzbar. "Es ist vernünftig, nachvollziehbar, verantwortungsvoll und auch nötig, diese Spielzeit nun zu beenden", sagt Kropf. Auch dass die angedrohten Konsequenzen für den Rückzug einiger Mannschaften nach dem 18. September nun wieder zurückgenommen wurden, empfindet der Spielleiter der HSV Hochfranken als sehr positiv. "Dadurch werden Zwangsabstiege verhindert."

Die Entscheidung des Verbandes sei "richtig und nachvollziehbar", stellt Ulli Weber, sportlicher Leiter des Landesligisten HSG Fichtelgebirge, fest. "Es ist auch gut, dass die Ungewissheit ein Ende hat, und der Fokus nun ganz klar auf die nächste Vorbereitung und die neue Saison gerichtet werden kann." Diese Meinung teile auch der Trainer des Bayernliga-Frauenteams der HSG Fichtelgebirge, Gerald Wölfel, sowie dessen Kollegen Stefan Tröger und Vladimir Haber.

Der Schlussstrich unter die Saison 2020/21 ist gezogen. Ob es in der neuen Saison in den Bayern- und Landesligen nach dem Stand 18. September 2020 weitergehen wird, dahinter steckt aber dann doch noch ein kleines Fragezeichen. Noch steht nicht fest, ob auch die 3. Liga ihre Saison beendet. Falls nicht, würden womöglich Absteiger nach unten weitergereicht.

Quelle: Frankenpost Ausgabe Fichtelgebirge vom 18.02.2021, Sport aus der Region, Bericht: Andreas Pöhner und Thomas Schuberth-Roth

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