Hammer soll die Lücke von Petričević füllen

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Die HSG Fichtelgebirge hält sich mit Prognosen für die neue Saison zurück. Anfang Oktober soll die Handball-Landesliga starten. Doch wer sind die Gegner und wann gibt es einen Spielplan?

Ulli Weber (links) und Daniel Bralic nach der Standortbestimmung in Wunsiedel.Die Prioritäten haben sich verschoben. Muss heißt jetzt erst einmal kann, was die Ambitionen der Handballer der HSG Fichtelgebirge für das Landesliga­Spieljahr 2021/22 angeht. Zwar hoffen und träumen Ulli Weber und DanielBralic weiterhin vom Aufstieg in die Bayernliga, aber ob und wie er überhaupt zu realisieren sein wird, steht erst einmal in den Sternen. Zunächst einmal seien alle froh darüber, dass sie ihren Sport überhaupt wieder ausüben dürfen. Die beiden gleichberechtigten Spielleiter können stolz berichten, dass die Mannschaft zu zwei Dritteln vollständig geimpft sei ("das erleichtert uns vieles"), in der schwierigen Zeit alle gesund über die Runden kamen und man auch personell weitgehend zusammen blieb.

Mit einer allerdings nicht unbedeutenden Ausnahme: Petar Petričević, Rückraumschütze und Tempomacher, hat den Verein am 1. Juni 2021 doch etwas überraschend um die Freigabe gebeten. Der 27-Jährige hat die HSG bereits in Richtung Baden-Württemberg (Verein unbekannt) verlassen. Berufliche Gründe, mit der Möglichkeit höherklassig Handball spielen zu können, hätten letztendlich für den aus Montenegro stammenden Ausnahmespieler den Ausschlag gegeben. Gleichzeitig habe er nun dort die Möglichkeit, mit seiner bislang in Belgrad studierenden Lebensgefährtin Katharina, die in Deutschland ebenfalls einen Job erhalten hat, eine gemeinsame Wohnung zu beziehen

Die Lücke, die Petričević zweifellos hinterlässt, soll Erik Hammer auffangen. "Klar tut uns Petars Entschluss weh, aber dass so etwas irgendwann mal passieren kann, war uns stets bewusst", erklärt Bralic. "Dafür aber", sagt Weber, "steht uns Erik von jetzt an hundertprozentig zur Verfügung". Der habe seine Ausbildung abgeschlossen und könne sich wieder voll auf den Handball konzentrieren. Der 23-jährige Anlagenmechaniker gilt im halblinken Rückraum als wurfgewaltige Bank und besitzt eben den schon oft zitierten "Hammer". An Rückraumspielern mangelt es der HSG wahrlich nicht, bei immer noch sieben Akteuren, die diese Position besetzen können. "Das Gros des Kaders steht", freut sich Weber. Erfreulich: Hinzu stoßen die beiden 19-jährigen Nachwuchstalente Maximilian Schlitter und Jan Koristka. Die Planungen, mit Simon Rohr auch einen Nachwuchskeeper hochzuziehen, hätten sich allerdings zerschlagen. Dieser beginnt ein Studium bei der Bundespolizei in Bonn und Lübeck, verlässt also die Region.

Spekulationen, wo es in der Landesliga Nord hingehen soll, verbieten sich im Moment. „Wir wissen nicht, wie sich die Liga zusammensetzt", mahnt Weber zu Zurückhaltung, wenngleich nach drei Jahren unter den besten Drei ein Spitzenplatz natürlich das erstrebenswerte Ziel sei. Zumal ein doch sehr erfahrener 16er-Kader zur Verfügung steht, dem wieder einiges zuzutrauen ist. Seit dem 22. Juni laufe übrigens eine Umfrage des Bayerischen HandballVerbandes, von der sich die Verantwortlichen Rückschlüsse für den Rahmenspielplan und eventuelle Varianten erhoffen. Es bestehe die Möglichkeit in einer 16er-, vielleicht auch 14er-Liga zu spielen oder einer zweigeteilten. Da in tieferen Klassen gar nicht angepfiffen wurde – die HSG bestritt im Oktober 2020 zumindest drei Partien – gesellen sich auch keine Aufsteiger dazu. Offen sei jedoch, ob Vereine von oben herunterkommen und auch alle Mannschaften melden.

Denn in Corona-Zeiten sei es möglich, ohne sanktioniert zu werden und ganz unten beginnen zu müssen, sich selbst der Spielklasse zuzuordnen. "Wer das in Anspruch nimmt, wissen wir natürlich nicht", zucken Bralic und Weber nur ungläubig mit den Schultern, "denn auch auf den Social-Media-Kanälen ist im Moment rein gar nichts zu erfahren". Festgelegt ist erst einmal nur, dass es in der ersten Oktober-Woche losgehen soll.

Trainer Vladimir Haber und sein Vertreter Stefan Tröger, der ab sofort "eine verstärkte Co-Rolle" (Weber) einnimmt, sprich mehr Verantwortung übertragen bekam und die Montag-Einheit leitet, befinden sich mit ihren Schäfchen seit 2. Juni im Hallentraining. "Es war schon ein lustiges Schauspiel, zu sehen, wo die Bälle nach der langen Pause überall hingeflogen sind", schmunzelt Daniel Bralic. Bis zum Trainingsbeginn waren die Aktiven mit Allgemeinsport, Schwimmen und Training im Wald weitgehend selbst für ihre Fitness verantwortlich. Insgesamt sprechen die beiden Spielleiter von einer "weitgehend entspannten Planung". Im Februar und März habe man die Spieler "abgeklopft" und sei von der Resonanz positiv überrascht gewesen und wie allesamt auf den Trainingsauftakt hinfieberten. Beide können dem Verlust von Petar Petričević , so schmerzlich er auch sei, auch positive Seiten abgewinnen: "Zumindest der ständige Wechsel von Angriff auf Abwehr fällt nun weg, denn Erik kann beide Positionen spielen".

HSG-Frauen ziehen aus der Bayernliga zurück

Nach einem Jahrzehnt Bayernliga-Handball ist erst einmal Schluss: Die Damen der HSG Fichtelgebirge ziehen freiwillig in die Landesliga zurück. Der Grund:  Zahlreiche Aktive stehen für das neue Spieljahr für eine bestimmte Zeit oder gar nicht mehr zur Verfügung. Die Spielleiter Daniel Bralic und Ulli Weber sprechen von einem "ungewöhnlich heftigen Umbruch", der eigentlich im vergangenen Jahr hätte vonstatten gehen sollen. Denn da hätte die jüngere Garde neben den erfahrenen Spielerinnen wachsen sollen. Doch Corona machte den Verantwortlichen einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Von den Etablierten bleibt nun nicht mehr viel übrig, wenn man einen Blick auf die lange Liste der nicht mehr zur Verfügung stehenden Aktiven wirft. Franziska Scheidler will künftig kürzer treten und vielleicht noch in Weiden auflaufen, Torhüterin Franziska Dragoun zieht es nach Baden-Württemberg, Katharina Schlegel beendet ihre Karriere und Ulrike Schösser erwartet Nachwuchs. Offen ist, ob es sich Nicole Sammet noch einmal überlegt und zumindest sporadisch zur Verfügung steht. Sie hat sich als Physiotherapeutin selbstständig gemacht. "Noch unschlüssig" (Weber) sei, wie sich Julia Fischer und Sabrina Materne entscheiden. Damit müsste die HSGFichtelgebirge im Moment mit einem äußerst dünnen zwölfköpfigen Kader in die Landesliga starten. Schon hier Fuß zu fassen, dürfte verdammt schwer werden. Geplant ist deshalb, einige vielversprechende Talente aus der B-Jugend hochzuziehen. Ein Verbleib in der Bayernliga, so Ulli Weber, hätte darum wenig Sinn gemacht. Zumal es in der erneut zweigeteilten Spielklasse sechs (!) Absteiger geben wird.

Quelle: Frankenpost Ausgabe Fichtelgebirge vom 29.06.2021, Sport aus der Region, Bericht und Foto: Peter Perzl

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