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Handballer ziehen Reißleine

Der Verband unterbricht die Saison in Bayern ab sofort bis 9. Januar 2022. Die Entscheidung findet bei den Vereinen der Region volle Zustimmung.

Der Bayerische Handballverband (BHV) hat am Donnerstagabend die Reißleine gezogen. Oder besser: eine Auszeit verordnet. Aufgrund der allgemein steigenden Corona-Zahlen werden die Spiele ab der Bayernliga abwärts in allen Altersklassen vorerst bis zum 9. Januar 2022 ausgesetzt. "Die schwierige Entwicklung in der Corona-Pandemie stellt uns alle vor erneut große Probleme", schreibt der Verband in einem Rundschreiben an seine Vereine. Vor allem die Umsetzung der neuen 2G-plus-Regelung gestalte sich bei der gleichzeitig vielerorts unzureichenden Test-Infrastruktur als sehr schwierig und aufwändig, heißt es in dem Schreiben weiter. Unabhängig davon empfiehlt der BHV seinen Vereinen, unter Einhaltung der 2G-plus-Regel soweit möglich weiterhin ein Trainingsangebot zu machen – speziell im
Jugendbereich.

21 11 27 JanSehr gut mit der BHV-Entscheidung leben kann Ulli Weber, sportlicher Leiter der HSG Fichtelgebirge. "Ich fand auch gut, dass der Verband am  Donnerstagabend noch eine Kurzmitteilung herausgelassen hat und die Vereine dann am Freitag umfassend informiert hat. "Schließlich hatten sich die Vereine untereinander schon ausgetauscht, wie es mit der 2G-plus-Regelung und den benötigten Tests für Training und Spiele funktionieren könne. Da seien viele Fragen offen gewesen, auch wegen der aktuell noch beschränkten Testkapazitäten. "Alle waren etwas hibbelig. Jetzt sind alle wieder beruhigt." Wichtig wäre es, sagt Weber, dass es im Januar mit dem Spielbetrieb dann wieder weitergeht. Die Damen und Herren der HSG werden deshalb auch keine Trainingspause einlegen. "Es wäre falsch, jetzt alles runterzufahren. Ein Kaltstart im Januar würde nicht funktionieren." Solange die Hallen offen bleiben, werde deshalb weiter trainiert. Und das sollte möglichst auch der Nachwuchs machen, meint Weber. "Für die Jugendlichen ist es doch auch wichtig, dass sie weiter soziale Kontakte haben.“

Auch Marcus Kropf, sportlicher Leiter der HSV Hochfranken, findet die Entscheidung des BHV "absolut richtig". Allerdings sei sie seiner Meinung nach etwas spät gekommen. "Die Vereine haben schon die ganze Zeit gerätselt, wie sie das mit den Tests stemmen sollen. Aber so, wie es jetzt ist, ist es richtig." Ob die Handballer aus Selb und Rehau bis zur möglichen Wiederaufnahme des Spielbetriebs weiter im Training bleiben, kann Kropf nicht abschließend beantworten. "Wenn möglich werden wir den Trainingsbetrieb aufrechterhalten." Das Aber: "Wir benötigen von unseren Hallenbetreibern konkrete und verwertbare Aussagen, welche Art von Tests zugelassen sind." Und was Kropf noch umtreibt: "Muss man die Testkapazitäten, die derzeit aufgebaut werden oder schon da sind, für Sportler verwenden – oder für Menschen, die sie nötig haben?"

"Eine Wahl hatte der Verband ja nicht", meint Christian Seiferth, Tainer der Landesliga-Herren der SG Hembrechts/Münchberg zu der Entscheidung. "Wir sind alle zwei Mal geimpft", sagt Seiferth. "Wir müssen jetzt halt schauen, wie die Testmöglichkeiten sind", ergänzte er mit Blick auf die Testinfrastruktur. Die Trainingseinheiten – derzeit drei in der Woche – wolle er nicht drastisch reduzieren. Zum einen müssten die Spieler fit bleiben, falls der Spielbetrieb im Januar tatsächlich wieder losgehe. Zum anderen erhöhe sich durch weniger Training die Verletzungsgefahr. Ob es im Januar wieder losgehe, sei freilich fraglich. Ein besonderes Augenmerk legt er aber auf den Nachwuchs im Verein: "Die Kinder bleiben wieder auf der Strecke", befürchtet Seiferth.

Quelle: Frankenpost, Ausgabe Fichtelgebirge vom 27./28.11.21, Bericht: Von Alisa Schrauth und Andreas Pöhne, Foto: Michael Ott

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