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Damen: Noch einen Knaller in der Hinterhand

Die HSG Fichtelgebirge setzt den Umbruch im Frauenteam fort. Drei Handball-Talente kommen aus der Nachbarschaft. Es droht eine megalange Saison in der Bayernliga.

Auch wenn momentan der Trainings- und Spielbetrieb ruht, so wird bei den Handballern der HSG Fichtelgebirge hinter den Kulissen bereits fleißig gearbeitet. Denn wenn im frühen Herbst tatsächlich ein Neustart erfolgt, sollen alle Hausaufgaben erledigt sein. Während bei den Herren der Kader fest zusammenbleibt und die HSG das Ziel Aufstieg umsetzen will, stehen im Frauenbereich die Zeichen auf Umbruch. Aktuell sieht es danach aus, dass in der Frauen-Bayernliga eine Aufstockung der Mannschaften bevorsteht und eine megalange Saison mit 17 Vereinen und damit 32 Spielen bevorsteht. Der sportliche Leiter Ulli Weber will gar nicht daran denken, aber für alles gewappnet sein – und vor allem möchte er nicht wieder eine solche Bayernliga-Zittersaison erleben, wie die vor einiger Zeit abgebrochene wegen der Corona-Pandemie. Denn wenn der von ihm ausgerufene einstellige Tabellenplatz Realität werden soll, muss schon vieles passen.

20 05 21 3 neue DamenSpätestens als feststand, dass Kathrin Reif beruflich bedingt den hohen Trainingsaufwand nicht mehr bewältigen kann und zur SG Helmbrechts/Münchberg zurückkehren wird, und die Langzeitverletzte Lena Gluth (einjährige Pause) nicht mehr zur Verfügung steht, war akuter Handlungsbedarf angesagt. In dieserWoche nun meldet die HSG Vollzug: Mit Kreisläuferin Svenja Höra, Rückraumspielerin Julia Wölfel und Linksaußen Leonie Knoll streifen künftig drei 19-Jährige das Trikot der HSG Fichtelgebirge über. Vorzugsweise Talente aus der Region im höherklassigen Handballsport zu integrieren, lautet weiter die Devise. Allesamt spielten zuletzt für den Nachbarn HSV Hochfranken in der Frauen-Bezirksoberliga.

Für Trainer Gerald Wölfel Grund zur Freude, weniger dagegen – verständlicherweise – im Lager der HSV Hochfranken. Mit den jungen Damen arbeitete der Schönwalder bereits als Nachwuchscoach – unter anderem zwei Jahre lang in der A-Jugend-Landesliga – zusammen, weiß also, was er bekommt. Leonie Knoll besaß in der Vorsaison sogar ein Doppel-Spielrecht, trat für die HSV-Frauen und die SG Helmbrechts/Münchberg in der A-Jugend-Bayernliga an. Und bei diversen Probetrainings vor Corona wurde Wölfel auch nicht enttäuscht und in seiner Einschätzung bestätigt: "Die Mädels sind Verstärkungen", ist er felsenfest überzeugt, obwohl sie nun gleich zwei Klassen höher auflaufen werden. "Die Einstellung passt hundertprozentig bei allen und sie sind unheimlich willig und ehrgeizig",schildert der 57-Jährige seine Eindrücke. Bei entsprechendem Training sei einiges mehr zu erwarten. Die Neuen selbst geben sich bescheiden, wollen "in der Bayernliga neue Erfahrungen sammeln", wie sie übereinstimmend erklären, und möglichst rasch Fuß fassen im neuen Team.

Allesamt eint der Spaß und die Leidenschaft am Handballsport. Aber auch sonst zählt Action und Bewegung zu ihren großen Freizeitaktivitäten. Während es Leonie Knoll (Ausbildung zur Industriekauffrau) das Motorradfahren und der Skisport angetan haben, hält sich die Studentin Julia Wölfel bevorzugt im Sportstudio und mit diversen Outdoor-Sportarten fit. Als Beweggrund für den Vereinswechsel führt die Nebenjob-Postbotin an: "Das Konzept der HSGFichtelgebirge ist stimmig und hat mich absolut überzeugt." Ins Fitnessstudio geht auch die sich in der Ausbildung zur Förderlehrerin befindliche Svenja Höra, genießt aber auch ihr weiteres Hobby Reiten.

Doch damit nicht genug. Wo sich viel jugendlicher Elan tummelt, kann eine ordentliche Portion Führungsqualität nur hilfreich sein, sagen sich wohl die HSG-Verantwortlichen. Darum rechnet Weber in diesen Tagen noch mit der Verpflichtung einer gestandenen Zweitliga-Handballerin für den rechten Rückraum, die dem HSG-Spiel nochmehr Struktur einverleiben soll. "Wir haben eine Zusage, aber die Spielerin möchte vor Veröffentlichung erst ihren Verein informieren.“ Wölfel spricht von "guten Karten“, die die HSG in dieserAngelegenheit habe. "Wenn der Mix passt, werden alle davon profitieren", freut sich Gerald Wölfel, der bei Bedarf auch auf Rückraumwerferin Jessica Spannig setzen kann, die zuletzt in zwei Partien aushalf.

Alles aber haben auch die HSG-Verantwortlichen nicht in der Hand. Denn wann der Startschuss für die neue Handballsaison beginnt, steht derzeit noch in den Sternen. "Wir bereiten uns so vor, als wenn es, wie gewohnt, Mitte September los gehen würde", geht Ulli Weber, der in nächster Zeit auch mit den vielen Unterstützern und Gönnern des Vereins "offene Gespräche" führen und sie über das neue Konzept informieren will, erst einmal vom Optimalfall aus. Doch so richtig optimistisch klingt er dabei nicht: "Ich glaube aber, wir können froh sein, wenn es im Oktober losgeht." Denn dass alle bayerischen Landkreise ihre Hallen zeitgleich aufsperren, sei angesichts der unsicheren Situation eher unwahrscheinlich. Dann allerdings plädiere er für eine zweigeteilte Bayernliga mit Playoff-Spielen. Sonst ziehe sich diese Bayernliga-Saison weit in den Mai hinein. Und das könne keiner ernsthaft wollen...

Quelle: Frankenpost Ausgabe Fichtelgebirge vom 21.05.2020, Sport aus der Region, Bericht: Peter Perzl, Fotos: Verein

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