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Herren I: "Wir rollen das Feld von hinten auf"

Für Stefan Tröger von der HSG Fichtelgebirge ist die Relegation kein Thema. Warum er so sicher ist, dass seine Handballer nun eine Serie starten, erzählt er im folgenden Interview.

Stefan TrögerStefan Tröger, wie viele Steine sind Ihnen denn am Samstag nach dem 32:25-Derby-Erfolg in der Landesliga über den Zweiten TV Münchberg vom Herzen gefallen?
Ein ganzer Haufen. Wie wichtig der Sieg war, zeigt ein Blick auf die Tabelle. Wenn er dann noch daheim gelingt und gegen einen Nachbarn, weißt du, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Er tut auf alle Fälle unserer Seele gut.

Alles scheint jetzt auf ein Duell zwischen der HSG Fichtelgebirge und dem TV Helmbrechts im Kampf gegen den Relegationsplatz hinauszulaufen.
Wenn ich unser Restprogramm ansehe und wir dazu nach der Osterpause mit vollem Kader zurückkommen, sollten wir mit der Relegation nichts mehr zu tun haben. Eventuell noch eine Niederlage in Regensburg, die restlichen Spiele sollten wir allesamt gewinnen. Ich bin mir sicher, dass wir das Feld von hinten aufrollen. Ich sehe die Situation auf jeden Fall von jetzt an entspannter.

Das klingt sehr selbstbewusst.
Solche Zielsetzungen müssen unser Anspruch sein. Wir wollen am Ende nicht mehr groß herumrechnen müssen. Das ist auch der Tenor von unserem Trainer Vladimir Haber und der gesamten Mannschaft. Nochmals und ohne irgend einem Konkurrenten zu nahe treten zu wollen: Wir sind in der Lage, von den restlichen sieben Partien sechs zu gewinnen.

Wie konnte die HSG überhaupt so in Gefahr geraten? Zwischenzeitlich sah es gar so aus, als würde die Mannschaft um den Relegationsplatz zwei mitmischen.
Aufgrund vieler verletzungs- und krankheitsbedingter Ausfälle war der Kader lange Zeit ausgedünnt. Dazu kommen, wie bei mir, beruflich bedingte Einschränkungen. Die Zuschauer sehen natürlich nur, welche Spieler am Wochenende wieder auf der Platte stehen. Aber dass einige nicht trainieren konnten, gesundheitlich angeschlagen waren und damit nicht hundertprozentig fit sind und sich nicht ausreichend vorbereiten konnten, wissen die meisten nicht. Da gehen rasch die Automatismen verloren und unser Spiel schaut gar nicht mehr so rund aus.

Wie hat der Trainer auf die Misere reagiert?
Auf keinen Fall hektisch. Er hat auch keinen Druck aufgebaut und mit uns in Ruhe weitergearbeitet. Vor allem hat er uns immer einen auf die verbliebenen Leute individuell zugeschnittenen Matchplan mitgegeben. Da spürt man seine unglaublich große Erfahrung. Er hat halt schon alle Situationen x-mal erlebt.

Was unterscheidet Vladimir Haber von seinem Vorgänger Dieter Schmidt?
Oje, das ist schwierig. Beide haben natürlich ihre Qualitäten. Der Dieter Schmidt ist eher der extrovertierte Motivator an der Seitenlinie. Der Vladimir Haber versucht seine Spieler ruhig von außen zu steuern und lässt ihnen eine Menge Freiheiten. Er gibt ihnen eine Richtung vor, überlässt es ihnen aber, aus vier oder fünf Optionen, die richtige zu wählen. Er setzt auf die individuelle Entscheidungsfähigkeit.

Stefan Tröger, für Sie bedeutet dieses Jahr einen Spagat zwischen Beruf und Sport. Wo liegt die Schwierigkeit?
Also, ich denke, in diesem Jahr läuft es ganz gut. Ich befinde mich im Referendarsjahr am Gymnasium in Neustadt/Waldnaab. Das erlaubt mir, zumindest zwei Mal in der Woche zu trainieren. Das sah im Vorjahr schlechter aus, als ich ein halbes Jahr lang in Erlangen an der Ausbildungsschule war. Dorthin muss ich aber im neuen Schuljahr wieder zurück.

Letzte Frage: Wie sehr berührt Sie der wahrscheinliche Abstieg des Nachbarn HSV Hochfranken?
Er stimmt mich traurig. Damit fällt leider ein Derby weg. Für uns das wohl wichtigste. Gegen Selb/Rehau das sind immer ganz spezielle Spiele mit einer besonderen Atmosphäre und dann die ewige Rivalität. Den Abstieg der HSV sehe ich darum mit einem weinenden Auge.

Zur Person
Stefan Tröger ist ein Eigengewächs der HSG Fichtelgebirge. Der 28-Jährige kann alle Rückraumpositionen spielen und gilt auch als abwehrstark. Begonnen hat er mit dem Handballsport unter Trainer Roland Schöffel beim VfL Wunsiedel und übt ihn seit 20 Jahren aus. Tröger ist der Mannschaftssprecher des Landesligisten und hat seinem Verein immer die Treue gehalten. Er befindet sich derzeit als Referendar am Gymnasium im oberpfälzischen Neustadt/Waldnaab und unterrichtet die Fächer Englisch und Sport.

Quelle: Marktredwitzer Tagblatt vom 22.03.16, Sport aus der Region, das Gespräch führte Peter Perzl

 

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