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Herren I: "Das haben wir uns anders vorgestellt"


Die HSG Fichtelgebirge kommt in der Handball-Landesliga einfach nicht in die Gänge. Die vielen Gegentore bereiten Trainer Dieter Schmidt großes Kopfzerbrechen.

Ein klein bisschen klingt es schon nach Drohung, was Dieter Schmidt an den Trainingsabenden der HSG Fichtelgebirge in dieser Woche plant. „Abwehrarbeit“ mit Betonung auf Arbeit. Denn was nicht funktioniert, muss eben geübt werden. Notfalls bis zum Abwinken. "Das ist unbequem für die Spieler", erklärt der Trainer der Handball-Spielgemeinschaft aus Marktredwitz und Wunsiedel. Denn viel lieber, das weiß er natürlich, würden die aufs Tor ballern, weil’s mehr Spaß macht. Doch 149 Gegentore in fünf Landesliga-Partien – fast 30 pro Partie – seien entschieden zuviel und erforderten rasches Handeln. Für Schmidt ist das Dilemma überhaupt nicht nachvollziehbar. Zumal seine Truppe vor Kurzem beim Heimsieg über Tabellenführer SG Regensburg genau im Problem-Mannschaftsteil glänzte: "Das war die beste HSG-Abwehr, die ich seit fünf Jahren gesehen habe", schwärmt der Unterweißenbacher.

Doch diese Leistung entpuppte sich als Eintagsfliege. Nur ein Sieg aus fünf Partien haben die Mannschaft bis auf den drittletzten Tabellenplatz abrutschen lassen. Und sie ist damit aktuell das am schlechtesten platzierte hochfränkische Team. Zweifellos ein kapitaler Fehlstart. Da will der 62-Jährige gar nicht widersprechen: "Auch wir haben uns das ganz anders vorgestellt", räumt Schmidt ein. "Gut, wir hatten ein schweres Auftaktprogramm mit allen Titelkandidaten, aber der Punktestand muss anders aussehen." Zumal seine Truppe das nicht zeige, was sie im Training Woche für Woche praktiziere. Dazwischen lägen Welten.

Am meisten freilich ärgert ihn die Niederlage beim Aufsteiger und Nachbarn HSV Hochfranken. "Die tut uns ganz besonders weh und hat mich mächtig gewurmt", sagt Schmidt. "Sie ist vor allem unserer Überheblichkeit geschuldet." Und das nur eine Woche nach der grandiosen Vorstellung gegen Regensburg. Um den heißen Brei herumreden ist nicht das Ding des HSG-Trainers. Dass seine Spieler zuvor der Partie des HSV-Rivalen gegen Auerbach beiwohnten, habe ihnen nicht unbedingt gutgetan. "Ich selbst habe mir das Spiel gar nicht angeguckt", meint Schmidt, der dachte, seine Jungs könnten mit ihrer Erfahrung Leistungen ganz gut einschätzen. Offenbar ein Trugschluss. Die HSV sei zwar damals siegreich, das Spiel aber alles andere als ein Augenschmaus gewesen. Entsprechend mit stolz geschwellter Brust sei man dem Nachbarn begegnet und hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet. "Wir haben Selb unterschätzt und das Spiel nicht mehr umbiegen können." Dass mit Markus Tröger, Stefan Flasche, Konstantin Burger und Thomas Birner gleich vier Spieler krankheitsbedingt geschwächt aufliefen, will der Trainer nicht als Entschuldigung gelten lassen. "Wir haben den stärksten Kader seit Jahren, da müssen wir so etwas kompensieren können."

Dass seine Mannschaft ihr wahres Potenzial bislang nur einmal abrufen konnte, bereitet Dieter Schmidt schon etwas Kopfzerbrechen. Auch die 28:32-Heimniederlage am Wochenende gegen Ingolstadt will er nicht unkommentiert lassen. "Wir sind in der Lage auch so einen Gegner zu schlagen. Dazu aber müssen sich alle an die taktischen Vorgaben halten", meint der Coach. Das jedoch sei nicht der Fall gewesen. Eine aktivere Abwehrarbeit und ein offensiveres Vorgehen habe er den Seinen mit auf den Weg gegeben. Doch die seien mehr oder weniger am Kreis geklebt. Gerade recht dürfte nach dieser Durststrecke die Aufgabe am kommenden Samstag beim punktlosen Schlusslicht TV Marktsteft kommen. Aber Schmidt wäre nicht Schmidt, würde er da nicht seine ganz eigene Meinung vertreten. "Über den Gegner reden wir nicht", macht er schon einmal deutlich. Und das soll keineswegs überheblich klingen. "Wir müssen auf uns schauen, die Abwehr stabilisieren und zusätzlich die zweite Welle sicherer machen." Und dafür steht eben in dieser Woche "Handballarbeit" auf dem Stundenplan.

Quelle: Marktredwitzer Tagblatt vom 18.10.17, Sport aus der Region, Bericht: Peter Perzl (eingestellt am 27.10.17)

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