Herren I: Da sein, wenn der andere patzt

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Die HSG Fichtelgebirge wäre für die Handball-Bayernliga gerüstet. Aber sie hat den Aufstieg nicht selbst in der Hand. Eine von noch drei Aufgaben ist besonders  schwer.

Geht da noch was? Für die Handballer der HSG Fichtelgebirge steht fest: Ja! Nach vier Siegen in Serie haben sie in der Landesliga Nord noch einmal Morgenluft geschnuppert und seit vergangenem Wochenende wieder berechtigte Aussichten auf Tabellenplatz zwei, der am Ende zu Bayernliga-Relegationsspielen gegen den Süd-Zweiten berechtigt. Geschlossen verfolgten die Fichtelgebirgler am Samstag die doch überraschende 23:26-Niederlage des direkten Konkurrenten ASV Cham im Facebook-Liveticker beim Drittletzten Sulzbach-Rosenberg. Zu dem Zeitpunkt hatte die HSG längst ihre Hausaufgabe gegen den TV Münchberg (37:29) erledigt und mächtig Druck auf den direkten Konkurrenten aus dem Bayerwald aufgebaut.

Welch Glanz sich in den Augen der Spieler widerspiegelte, kann sich jeder vorstellen, der selbst einmal sportliche Ambitionen hatte. Von
"das ist unsere Chance" bis "jetzt weitermachen und fokussieren" reichten die Reaktionen. "Das Schwächeln der Chamer wird die  Truppe zusätzlich pushen und ihr Flügel verleihen", da ist sich die sportliche Leitung völlig sicher. Legales Doping für die Seele und die letzten drei Spieltage – das hat sich Ulli Weber gewünscht, aber selbst so richtig nicht mehr dran geglaubt.

Thomas Birner und Tomas SoukupDer nach dem Sieg bei der HSG auf fünf Zähler eigentlich enteilte ASV Cham patzte nun schon ein zweites Mal. Und dessen Vorsprung
schrumpfte auf ein mickriges Pünktchen zusammen. Wenig bis nichts angesichts der Tatsache, dass die Fichtelgebirgler dank ihrer "Sternstunde" (Weber) in Cham den direkten Vergleich bei Punktgleichheit aufgrund der besseren Tordifferenz mit neun Treffern Vorsprung gewonnen haben und der Gegner am letzten Spieltag (5. Mai) beim daheim bislang makellos auftrumpfenden Meister TG Heidingsfeld schon siegen muss, um als Zweiter durchs Ziel zu gehen. 

Es wirkt allerdings, so zumindest eine Vermutung von Ulli Weber, dass der Konkurrent aus der östlichen Oberpfalz aufgrund der
Altersstruktur vielleicht nicht alle Anstrengungen unternimmt, um eine Klasse höher zu gehen. "Die haben drei, vier Spieler, die die 35 Jahre schon überschritten haben, und da möglicherweise nicht hinwollen.“ Sicher sein könne sich da freilich niemand.

Dass die HSG den Chamern Platz zwei noch wegschnappen könne, setzte voraus, dass die Handballer aus Wunsiedel und Marktredwitz
ihre restlichen Partien allesamt gewinnen. Insbesondere die Reise am kommenden Samstag zum TV Erlangen-Bruck II habe es in sich und bedürfe höchster Konzentration. "Ein Schlüsselspiel und die anspruchsvollste unserer letzten drei Aufgaben“, sieht Weber hier
die größte Gefahr. "Denn nach dem feststehenden Abstieg deren erster Mannschaft aus der 3. Liga Ost haben die Erlanger  Verantwortlichen reagiert und bereits in der Vorwoche in Kunstadt ihren Spielmacher Philipp Hirning in der Landesliga eingesetzt. Alle unter 21-Jährigen dürfen ohnehin sofort bei den noch abstiegsgefährdeten Herren II spielen.

"Wir wissen nicht, was auf uns zukommt“, sorgt sich auch Webers Spielleiter-Kollege und Linksaußen Daniel Bralic ein bisschen vor dem
Ungewissen. "Wir wollen und werden auf alle Fälle unsere Hausaufgaben erledigen und versuchen, nicht daran zu denken, was die Chamer machen.“ Fest steht auch, dass die HSG Fichtelgebirge ein Kapitel Bayernliga mit höchster Akribie angehen würde, sollte sie die Chance dazu bekommen. "Wir nehmen die Sache an“, verspricht Weber den HSG-Anhängern, auch wenn die interne Marschroute für diesen Schritt einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren vorgesehen hat. Auch die Mannschaft wolle und brenne darauf aufzusteigen. Denn wer weiß schon, was die Zukunft bringt? "Wenn wir das Ziel früher erreichen, müssen wir den Weg gehen“, gibt es für den sportlichen Leiter auch keine Kompromisse.

Gegner aus der Landesliga Süd wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder eine zweite Mannschaft, nämlich die des TuS  Fürstenfeldbruck, dessen Profiteam derzeit Platz acht in der 3. Liga Süd einnimmt. Das erste Spiel würde in Wunsiedel (18. oder 19. Mai), das Rückspiel bei den Oberbayern (25./26. Mai) angepfiffen.

"Finanziell könnten wir den Aufstieg stemmen“, haben Weber und seine Mitstreiter bereits gerechnet, da herrsche Einigkeit zwischen den in der HSG vereinten Klubs TVO Marktredwitz und TV Wunsiedel. Allerdings macht der Sportchef deutlich, dass dann "mindestens noch eine Verstärkung“ nötig wäre von der Klasse eines Petar Petričević.

So weit aber ist es längst noch nicht. "Fakt ist, wir haben es selbst nicht in der Hand“, sagt Bralic. Und die Südliga sei erfahrungsgemäß stärker als die im Norden. Dennoch wäre der Zeitpunkt für einen Aufstieg für die HSG nicht der verkehrteste. "Die Mannschaft befindet sich im besten Handballalter.“

Wie ernst es der Truppe von Trainer Vladimir Haber ist, zeigt die Tatsache, dass sie sich in dieser Woche wieder in Tschechien  vorbereitet haben, um sich an das Spielen mit Harz zu gewöhnen, das in Erlangen erlaubt, in den Hallen in Marktredwitz und
Wunsiedel aber untersagt ist. Das habe man schon einmal so praktiziert. Ob in Sokolov oder Eger, das wollte der Trainer noch bekanntgeben. Es könnte also noch etwas gehen für die HSG Fichtelgebirge – und die Bayernliga lockt...

Das Restprogramm

HSG Fichtelgebirge:
TV Erlangen- Bruck – HSG (13.4./20 Uhr)
HSG – Lauf/Heroldsberg (27.4./16.30Uhr)
SG Auerbach/Pegnitz – HSG (5.5./16 Uhr)

ASV Cham:
ASV Cham – MTV Ingolstadt (13.4./19.30 Uhr)
TV Helmbrechts – ASV Cham (28.4./16 Uhr)
TG Heidingsfeld – ASV Cham (5.5./16:00 Uhr)

Quelle: Marktredwitzer Tagblatt vom 11.04.2019, Sport aus der Region, Bericht und Foto: Peter Perzl

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