Handballer bündeln Kräfte

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Die SG Marktleuthen/Niederlamitz tritt im Herrenbereich unter das Dach der HSG Fichtelgebirge. Beide Seiten sehen genügend Synergieeffekte.

Auch in Zeiten, in denen der Handballsport gänzlich ruht, wird in den Vereinen hinter den Kulissen offensichtlich fleißig an der Zukunft gebastelt. So auch bei der Handballspielgemeinschaft (HSG) Fichtelgebirge und der SG Marktleuthen/Niederlamitz. Seit ein paar Tagen steht nun fest: Die HSG wird im Herrenbereich um zwei weitere Mitglieder wachsen - den ASV Marktleuthen und den TSV Niederlamitz.

20 04 18 Ulli FolkeLetztere bildeten schon längere Zeit eine Allianz und firmieren ab der neuen Spielzeit im Herbst mit den Handballern vom TVO Marktredwitz und VfL Wunsiedel unter einer HSG 2020 Fichtelgebirge. Das bestätigten die für den sportlichen Bereich in den Vereinen Verantwortlichen Ulli Weber und Folke Kassing der Frankenpost.

"Es musste ganz schnell gehen, denn wir standen unter erheblichem terminlichen Druck", erklären beide Seiten unisono. "Der stramme Zeitplan hat uns ganz schön zugesetzt", sagt Kassing. Dem 55-jährigen Beamten am Bauamt der Stadt Marktleuthen trieb es mitunter schon ein wenig die Schweißperlen auf die Stirn. Alle Anträge mussten dem Bayerischen Handballverband (BHV) bis 31. März, 24 Uhr, schriftlich und mit allen Erklärungen und Unterschriften zugestellt sein. Ansonsten wäre die Angelegenheit zumindest für die nächste Saison gelaufen gewesen.

Bereits Anfang Januar, erklärt Weber, sei es bei ersten Gesprächen zu einer Annäherung gekommen. "Die wurden aber zunächst nicht weiter intensiviert." Konkreter sei es dann erst Ende März geworden, als beide Seiten ihre grundsätzliche Bereitschaft für eine Zusammenarbeit im Herrenbereich erklärten und einen gemeinsamen Plan entwickelten. Weber spricht von einem "Kick", der plötzlich alle erfasst habe. Eingebunden waren dabei für Marktleuthen/Niederlamitz Stefan Bauer als sportlicher Leiter, dessen Stellvertreter Folke Kassing, sowie Patric John. Federführend für die HSG agierten Vorsitzender Hans Blüml, Ulli Weber, Dominik Hartmann, Johannes Wippenbeck und Karl Flasche als Wächter über die Finanzen. Inzwischen freuen sich Weber und Kassing, dass auch das BHV-Präsidium die neue Spielgemeinschaft mit Schreiben vom Donnerstag bereits genehmigt und abgesegnet hat.

Wo liegen die Vorteile für die Vereine? Folke Kassing spricht von einer Win-Win-Situation. "Wir hätten unsere zweite Mannschaft abmelden müssen und auch für die erste wäre es demnächst wegen beruflicher Zwänge einiger Spieler eng geworden. "Jetzt aber hätte der Rest der Aktiven eine Perspektive. Personell sei die SG Marktleuthen/Niederlamitz schon einige Zeit nicht auf Rosen gebettet. Hatten doch im vergangenen Sommer schon drei Aktive den Verein verlassen. Nun aber sei es möglich, dass die Verbliebenen - ergänzt von Aktiven der HSG - in einer zweiten Mannschaft weiter in der Bezirksoberliga (BOL) antreten können. Und wer nicht den Leistungsgedanken verfolgen möchte, habe die Möglichkeit, in der Bezirksklasse im Team Nummer drei zu spielen.

Als "sehr erfreulich" wertet es Ulli Weber, dass künftig in der HSG 2020 Fichtelgebirge vom Leistungs- bis zum Hobbybereich alles mit Mannschaften abgedeckt sei. Talentierte und leistungsorientierte Spieler, die aus den A-Junioren zu den Herren stoßen, hätten in der BOL die Möglichkeit, auf mittlerem Niveau höherklassige Erfahrung zu sammeln und später in den Landesligakader aufzurücken. "Talenten bietet sich damit ein echtes Sprungbrett", freut sich Kassing. Bislang schon arbeiteten beide Spielgemeinschaften im Jugendbereich zusammen. Da die SG Marktleuthen/Niederlamitz schon längere Zeit keine eigene A-Jugend stellen kann, traten zuletzt drei Spieler für die HSG Fichtelgebirge an. Immer mit der Option, mit Erreichen der Altersgrenze zum Heimatverein zurückzukehren. Die beiden Damenteams der SG, die in der untersten Klasse angesiedelt sind, würden, so Kassing, weiterhin für die SG Marktleuthen/Niederlamitz auflaufen.

Als weiteren Synergieeffekt nennt Ulli Weber die Möglichkeit, bei Bedarf in Marktleuthen eine dritte Trainingshalle zur Verfügung zu haben. "Das ist wichtig in Zeiten, in denen der Hallenfußball rollt und es oft Engpässe in Marktredwitz und Wunsiedel gibt." Zudem bekomme die HSG mit Trainern und Betreuern aus der Nachbarschaft wertvolle Kompetenz hinzu. Die doch überwiegend positiven Erfahrungen in der seit 2002 bestehenden HSG Fichtelgebirge hätten bewiesen, dass es trotz holprigen Starts mit der Zeit gemeinsam immer besser funktioniert. "Es wird auch dieses Mal kein leichter Weg, aber ich bin mir sicher, es ist der richtige", sagt Weber und ergänzt: "Es braucht sicher etwas Zeit, um zu wachsen, aber wir werden die Aufgabe meistern".

Die ersten Reaktionen aus den Klubs seien durchweg positiv. Und auch das große Ziel der Herren - Aufstieg in die Bayernliga - haben die Planer weiterhin fest im Auge. "Wir spielen auf Platz eins", formuliert Weber selbstbewusst die ambitionierte Vorgabe für die Saison 2020/21. Wann immer die auch beginnt.

Quelle: Frankenpost Fichtelgebirge vom 18.04.2020; Sport aus der Region, Bericht und Fotos: Peter Perzl

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