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Herren I: Volle Kraftfür die Landesliga

Die Entscheidung scheint gefallen: Die Handball-Landesliga endet vorzeitig, die HSG Fichtelgebirge ist tragischer Dritter. Kein Grund für Wehmut.
Für wenige Stunden hätte die HSG Fichtelgebirge allen Anlass dazu gehabt, den Sekt in den Kühlschrank zu stellen. Die "Mittelbayerische Zeitung" hatte am Mittwoch darüber berichtet, d ass der Bayerische Handball-Verband (BHV) entschieden hätte, die Saison zu beenden – und die HSG dem ASV Cham aus der Landesliga in die Bayernliga folgen würde.
Nur stellte sich schnell heraus, dass die Meldung nur zur Hälfte der Wahrheit entspricht. Klar ist unterdessen: Die Handball-Saison wird abgebrochen. Bis Donnerstagabend gab es zwar noch keine offizielle Bestätigung oder gar eine Mitteilung an die Öffentlichkeit. Aber soviel sickerte bereits durch: Die Saison wird vorzeitig beendet – mit Aufsteigern, aber ohne Absteiger. Die Ligen-Stärke wächst damit in der neuen Saison an. Die Tabellen werden anhand einer Quotientenregelung ermittelt. Und genau darin liegt die Tragik für den Ein-Tages-Aufsteiger HSG Fichtelgebirge: Denn entgegen der Berechnung vom Mittwoch liegt nicht die HSG auf dem zweiten Platz, sondern der TSV Roßtal. Denn: Das direkte Duell ist noch unvollständig, weshalb die Tordifferenz zählt. Und Roßtal hat das bessere Torverhältnis.
20 05 01 Ulli"Wir haben das Ziel sportlich nicht erreicht" sagt Ulli Weber, der sportliche Leiter der HSG. "Da müssen wir auch nicht der Chance hinterhertrauern, sondern wir haben einfach Pech gehabt." Pech, dass die Saison nicht zu Ende gespielt worden ist – womit für die HSG keine Chance mehr blieb, sportlich den Aufstieg noch zu schaffen. "Mit dem Spruch 'Hätte, hätte, Fahrradkette' befasse ich mich nicht", sagt Weber.
Die Entscheidung ist gefallen – und die HSG ist weinender Dritter. Damit zeigt der Verein aus dem Fichtelgebirge ein hohes Maß an Fairness, vor allem in Zeiten, in denen sich im Fußball die Drittligisten nicht unerheblich aufgrund der Aufstiegsfrage gegenseitig zerfleischen und auch in der Bayerischen Fußball-Regionalliga ein Streit um den Aufstieg entbrannt ist.
Ganz anders  bei der HSG: Der Verein hätte sogar eine Härtefallklausel bemühen können. "Das haben wir nicht mal überlegt", sagt Weber. "Weil es für uns kein Härtefall ist, sondern wir es im Moment sportlich faktisch nicht geschafft haben. "Das  Aufstiegsrecht hätte die HSG nur wahrgenommen, wenn das Team es auch wirklich zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs sportlich geschafft gehabt hätte.
Somit bleiben die Fichtelgebirgler Landesligist. Weber zieht sogar etwas Positives aus der Entscheidung. "Mit so vielen Unbekannten in die Bayernliga zu gehen, das wäre heftig geworden", sagt er – und führt die Ungewissheit an, ob und inwieweit Sponsoren auch künftig dem Handballclub die Treue halten können. Doch die Hoffnung auf weitere Förderung ist groß, denn schließlich soll der verpasste Aufstieg nur eine Episode bleiben. Der Dreijahresplan der HSG sieht nun den nächsten Schritt in der neuen Saison vor. "Die aktuelle Saison war absolut in Ordnung", sagt Weber. "Wir sind im Soll und haben das bestätigt, was wir im vergangenen Jahr angefangen haben. Für die neue Saison ist Platz 1 natürlich das Ziel. Wenn nicht jetzt, wann dann?“
Allerdings steht hinter dem Zeitpunkt noch ein großes Fragezeichen. Der Saisonstart ist für September geplant. "Ich gehe nicht davon aus, dass wir dann schon starten können", sagt Weber. Er geht eher von einem späteren Start aus, womöglich sogar erst im neuen Jahr. Ob seine Jungs allerdings bis dahin still halten können ist ungewiss. "Wir vermissen es natürlich, den Ball in der Hand zu halten und vielmehr noch das Miteinander.“

Quelle: Frankenpost Ausgabe Fichtelgebirge vom 01.05.2020, Bericht: Marcus Schädlich, Foto: Peter Perzl

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