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Herren I: Granate für den Kreis

Ein Zweitligaspieler aus Pilsen streift das Trikot der HSG Fichtelgebirge über. Martin Setlik soll helfen, den Weg der Landesliga-Handballer nach oben zu ebnen.

Wunsiedel –Nach den Damen nun die Herren: einen weiteren dicken Fisch hat die HSG Fichtelgebirge nicht nur an der Angel, sondern bereits an Land gezogen. Von der neuen Saison an wird Martin Setlik die Position am Kreis beim Handball-Landesligisten übernehmen.

Eine Position, die der  sportliche Leiter Ulli Weber als "in den letzten zwei, drei Jahren vakant" bezeichnet, nachdem sich der Klub von Daniel Fronk Ende des Jahres getrennt hatte. Der habe nach seiner Schulterverletzung "nicht mehr zur alten Form" gefunden, bedauert der sportliche Leiter.

20 06 13 MartinDer 23-jährige Martin Setlik, der Kochen, Musik und Eishockey als seine Hobbys neben dem Handballsport nennt, galt bereits von der C- bis zur A-Jugend in Pilsen als Riesentalent und schaffte dann auch auf Anhieb bei Sokol Stahlavy den Sprung in die zweite tschechische Liga. In der abgebrochenen Saison lief er für den VfL Wanfried in der Hessen-Liga auf, wo der robuste Akteur als feste Größe bereits für das nächste Spieljahr eingeplant war. Mit seinem Schritt, ins Fichtelgebirge zu wechseln, erwischte er die Verantwortlichen dort doch kalt. Als ausschlaggebend für seinen Wechsel führt der stattliche 1,92 Meter große Pilsener die Nähe zu seiner tschechischen Heimat und die Aufstiegs-Ambitionen der HSG an.

Eine gewichtige Rolle bei seiner Entscheidung soll bei diesem Transfer auch die Trainerposition in der HSG gespielt haben. Denn für Vladimir Haber ist der robuste Rechtshänder schon länger Wunschkandidat. Entsprechend hat er sich für ihn stark gemacht.  "Wir haben uns schon im März 2019 für Martin interessiert, doch wir wollten damals erst seine Genesung nach einer längeren Verletzungspause abwarten", erklärt Weber. Später entschied sich Setlik zunächst dafür, weiter für Sokol Stahlavy zu spielen, um dann für das letztlich recht kurze Intermezzo nach Hessen zu wechseln. Jetzt aber fanden Verein und Spieler zusammen. Die Spielberechtigung liegt seit dem 8. Juni vor. Solange wollte die HSG auch mit der Bekanntgabe warten, um alles in trockenen Tüchern zu haben.

Wie sein künftiger Mannschaftskollege Petar Petricevic fühlt sich Martin Setlik beruflich in der Gastronomie zu Hause. "Viele Tore und den Aufstieg", formuliert der für sein Alter bereits recht zielgerichtet, was er sich vorgenommen hat, wenn es Anfang Oktober weitergehen sollte. Ein vom Verband veröffentlichter Rahmenspielplan sieht zumindest diesen Starttermin vor.

Übrigens: Martin Setlik kommt aus einem sportlich recht prominenten Zuhause und hat sein Talent von seinem Vater (heißt ebenfalls Martin) mit in die Wiege gelegt bekommen. Der war sowohl Nationalspieler der Tschechoslowakei und später für die Tschechische Republik, drei Mal tschechischer Meister und Trainer bei Skoda Pilsen. Seine Stationen: Dukla Prag, Skoda Pilsen, Paris Saint Germain und in Deutschland VfL Pfullingen, Bad Neustadt und SG Regensburg.

"Ich habe selbst noch zu meiner aktiven Zeit gegen den Vater zu dessen Bad Neustädter Zeit gespielt", erinnert sich Ulli Weber noch recht gut und freut sich, nun dessen Sohn in den HSG-Reihen begrüßen zu dürfen. Spätestens mit dieser hochkarätigen Verpflichtung dürfte auch klar sein, wie ernst es der HSG Fichtelgebirge mit einem Aufstieg in die Bayernliga ist. "Es geht nur um Platz 1!", verdeutlicht der HSG-Sportchef, "alles andere wäre Pillepalle." Ansonsten bräuchte man nicht diesen Aufwand betreiben und so viel Energie in diesen Kader stecken, der möglicherweise noch eine Verstärkung erhalten wird. Definitiv aber nicht auf der Rückraumposition, wo mit sechs Aktiven ausreichend Qualität zur Verfügung stehe.

Die Mannschaft habe in diesen Tagen noch einmal nachdrücklich bekräftigt, wie wichtig ihr das große Ziel ist. Was bei Weber selbst natürlich für zusätzliche Motivation sorgt. Einzig Erik Hammer falle bis September aus, befinde sich bis dahin auf der Meisterschule, wo für ihn wichtige Prüfungen anstehen. "Am Ende müssen wir nur einen Punkt besser sein als der Zweite – der Rest ist mir egal", meint Ulli Weber.

Der Beginn der neuen Saison kommt für ihn allerdings nur mit Zuschauern in Frage. Alles andere lehne er ab. Damit gehe er weitgehend konform mit den Kollegen aus anderen Vereinen, die ähnlich denken. Für ihn steht fest: "Neben finanziellen Gründen sind es doch die Emotionen von den Rängen, von denen unser Handballsport lebt. Ohne geht es einfach nicht."

Quelle: Frankenpost Ausgabe Fichtelgebirge vom 13.06.2020, Sport aus der Region, Bericht: Peter Perzl, Foto: Verein

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