Der Aderlass ist hoch

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Für die HSG Fichtelgebirge steht der Erhalt der Landesliga im Vordergrund. Die Liste der Abgänge und Verletzten ist lang. Der letzte Test verläuft dennoch vielversprechend.

22 09 15 UlliDen ganz großen Druck spüren sie definitiv erst einmal nicht, die Handballer der HSG Fichtelgebirge, wenn an diesem Wochenende die Landesliga Nord ihre Tore öffnet. Keiner erwartet von ihnen Wunderdinge nach dem ungewöhnlich großen personellen Aderlass. Spielleiter Ulli Weber spricht denn auch von einer "realistischen Sicht" auf die Dinge, wenn er und seine Mitstreiter für die Mannschaft das im Gegensatz zu den Jahren zuvor bescheidene Saisonziel Klassenerhalt ausgeben. "Schön wäre, wenn uns das so schnell wie möglich gelingt", meint der 55-Jährige, "und wir uns weitgehend von den hinteren Plätzen fern halten können." Schon das dürfte schwierig genug werden.

Denn aus dem letztjährigen Stammensemble fallen mit Erik Ludwig Hammer, Philipp Mocker (beide HSV Hochfranken), Stefan Flasche und Maximilian Berger (private Gründe) nun auch noch Markus und Stefan Tröger heraus, der zuletzt das Traineramt inne hatte. Beide Trögers sind bekanntlich im Schuldienst beschäftigt –Stefan in Neustadt/Waldnaab und Markus seit Schulbeginn in Geretsried bei München. Pendeln kommt für Letzteren aktuell nicht in Frage, weil es auch Substanz koste, sodass zwar die Spielberechtigung weiter bei der HSG, seine Handballkarriere aber erst einmal auf Eis liegt.

Zu allem Übel muss der neue Trainer Milan Šedivec für einige Zeit weiter auf Levente Morvai (22) verzichten. Der Ungar ist zwar nach seinem zweifachen Bänderriss – auch das Kreuzband war betroffen – auf dem Weg der Genesung und bereits wieder ins Training eingestiegen ist, steht aber wohl vor Mitte November nicht zur Verfügung. "Wir wollen da absolut nichts riskieren und haben ja nichts davon, wenn er gleich wieder ausfällt", tritt Weber auf die Bremse. Zudem laboriert Daniel Bralic aktuell an einer schmerzhaften Entzündung in der Schulter, gerechnet wird mit vier bis sechs Wochen Pause. Er fällt genauso aus dem Kader wie Jan Koristka, der im Moment nur eingeschränkt Sport betreiben darf.

Kein Grund zur Panik

Klar ist damit auch, dass die HSG künftig kleinere Brötchen backen muss. Trotzdem sehen die Verantwortlichen keinen Grund zur Panik. Trainer-Sohn Milan Šedivec jun. sei als Spielmacher im Rückraum Mitte absolut eine Verstärkung und universell einsetzbar. Das vierte Testspiel beim Bayernliga-Absteiger und künftigen LL-Konkurrenten ASV Cham am vergangen Freitag habe gezeigt, dass die Mannschaft auf einem guten Weg sei. Trainer Šedivec sei sehr "kommunikativ" und fordere die Spieler anders. Dennoch sei man weit entfernt davon, den 33:30-Erfolg überzubewerten. "Es war ein guter und kräfteraubender Test gewesen, in dem beide Trainer viel probiert haben", dämpft Weber etwaig aufkommende Euphorie, zumal die Kontrahenten den einen oder anderen Akteur aus Urlaubsgründen nicht einsetzen konnten.

Gar nicht so ungelegen kommt der HSG, dass für sie im Gegensatz zu den lokalen Konkurrenten von der HSV Hochfranken und SG Helmbrechts/Münchberg die Saison mit einwöchiger Verspätung erst am 24. September mit einem Heimspiel gegen den TV Erlangen-Bruck II beginnt. "Wir haben so noch etwas Zeit für die Feinabstimmung“, meint der Spielleiter. Schon eine Woche später wartet bereits die Nagelprobe bei der U 23 des Bundesligisten HC Erlangen. Für Weber einer der Topfavoriten auf den Titel.

"Wichtig und vorrangig für uns ist, dass wir junge Leute wie Jan Koristka, Maximilian Schlitter und Johann Zißler schnell integrieren können. Hochgezogen aus der zweiten Mannschaft zählt nun auch Simon Keltsch zum Landesligakader. Erfreulich auch, dass Kreisspieler Thomas Birner seit dem Trainingslager in Pilsen wieder fest zur Verfügung steht.

Als "ganz okay" bewertet Ulli Weber die Rückkehr zum alten Modus mit allerdings nur 12 statt früher 14 Mannschaften mit Hin- und Rückspiel. Der Fokus dürfte denn auch klar auf den Partien gegen die Aufsteiger HBC Nürnberg, TV Marktsteft und HC Sulzbach-Rosenberg liegen. Das Derby gegen die HSV Hochfranken hatte dagegen schon immer eigene Gesetze, steigt allerdings erst am vorletzten Vorrunden-Spieltag und damit letzten in diesem Jahr am 10. Dezember. Anschließend geht es in eine fünfwöchige (!) Weihnachtspause.

Beide Nachbarduelle, also auch das gegen die SG Helmbrechts/Münchberg am 19. November, bestreitet die HSG Fichtelgebirge zuerst in eigener Halle. Gespielt wird übrigens die Vorrunde in Wunsiedel, die Rückrunde in Marktredwitz.

Quelle: Frankenpost Ausgabe Fichtelgebirge vom 15.09.2022, Sport aus der Region, Bericht und Foto: Peter Perzl

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