Herren I: Morvai weg, HSG frustriert

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Der gerade genesene Ungar kehrt der HSG überraschend den Rücken. Hans Blüml und Ulli Weber fühlen sich vor den Kopf gestoßen.

22 09 20 LeviDie personelle Lage beim Handball-Landesligisten HSG 2020 Fichtelgebirge hat sich weiter verschärft: Levente Morvai, die Ende Februar verpflichtete Spielmacher-Hoffnung aus Ungarn, hat den Verein völlig überraschend verlassen. "Wir waren alle wie vor den Kopf gestoßen, sind stinksauer und mächtig angefressen", macht Hans Blüml aus seinem Herzen keine Mördergrube. "Auch wenn der Spieler uns nach seiner Verletzung erst Ende November wieder zur Verfügung gestanden wäre, so hatten wir doch fest auf ihn gesetzt.“

Die Enttäuschung des HSG-Sprechers und Vorsitzenden des VfL Wunsiedel ist groß, sei doch alles getan worden, damit sich Morvai in der Region wohlfühle. So habe er ihm eine Arbeitsstelle beschafft, und auch eine Wohnung wäre bereitgestanden, sagt Blüml. Sogar die Arzttermine seien von ihm persönlich organisiert worden. "Wir haben alles getan, um ihn fit zu bekommen." Auch Spielleiter Ulli Weber versteht die Welt nicht mehr. "Wir sind sehr angepisst und verstehen das nicht", erklärt der 55-Jährige. "Da steckst du Stunden in die Jungs und investierst deine Freizeit – und dann das…"

Bekanntlich zog sich Morvai Anfang Februar bei seinem zweiten Einsatz im Heimspiel gegen Michelfeld einen Riss des vorderen Kreuzbandes zu, war inzwischen schon auf dem Weg der Besserung und befand sich im Aufbautraining. Der 22-Jährige, der über Vereine aus Island und Österreich (Feldkirchen) den Weg ins Fichtelgebirge fand, habe nach der Rückkehr von einer Hochzeitsfeier in Budapest in der Nacht zum Freitag nur lapidar mitgeteilt, sich in Richtung Schweden verändern zu wollen. Ohne dabei die näheren Gründe zu nennen. Auch dessen jüngerer Bruder Tamás wollte sich in diesen Tagen der HSG anschließen. Obwohl in dieser Personalie weitgehend Einigkeit geherrscht habe, sei der erst 17-Jährige nun in seine Heimat zurückgekehrt.

Nach beruflich bedingten Ausfällen, Verletzungen, Krankheiten und Abgängen muss Trainer Milan Šedivec zum Saisonstart an diesem Samstag um 16.30 Uhr im Heimspiel gegen den TV 1861 Erlangen-Bruck II vorerst mit einem dünnen zehnköpfigen Spielerkader zurechtkommen. Ob demnächst noch Verstärkungen in Aussicht stehen, dazu wollte Blüml sich im Moment nicht äußern. "Wir halten auf alle Fälle Augen und Ohren offen."

Quelle: Frankenpost Ausgabe Fichtelgebirge vom 20.09.22, Sport aus der Region, Bericht und Foto: Peter Perzl

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