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HSG verzweifelt an Kropf

Im Derby der Handball-Bezirksoberliga zeigt Gastgeber HSG Fichtelgebirge zwar viel Willen. Doch die Mittel fehlen gegen kühl agierende Selber mit einem überragenden Schlussmann. Die TS steht jetzt gleichauf mit dem TV Weidhausen wieder vorn.
HSG Fichtelgebirge - TS Selb 22:24

Die TS Selb hat sich im Titelkampf der Handball-Bezirksoberliga mit einem 24:22 (11:10)-Erfolg bei der HSG Fichtelgebirge zurückgemeldet und ihre Negativserie beendet. Sie liegt jetzt wieder punktgleich mit dem TV Weidhausen an der Tabellenspitze. Die Hausherren dagegen müssen aufpassen, jetzt nicht im Mittelmaß zu versinken. Das Nachbarduell vor nur knapp über 300 Zuschauern verlief spannend, meist auf Augenhöhe, aber auf relativ bescheidenem Niveau. Zum "Helden des Tages" avancierte der Selber Torhüter Carsten Kropf, der den jungen und viel zu ungestümen HSG-Angreifern mit klasse Paraden den Zahn zog.

Konstantin Burger HSG Fichtelgebirge:Rieß, Schelter - Fischer, Burger (2), Bralic (2), Birner, Schöffel (3/1), Flasche (6), Max Berger, T. Werthes, Hartmann (9/1), Lagershausen, Joh. Wippenbeck, Kraupner
TS Selb: C. Kropf, Roch - J. Kempf (7), Mäsiar (6/4), Misanek, Wiedel (1), Pauker (3), Korb, M. Kropf (1), Salom (4), Kirsch, Wölfel (2/2)
Schiedsrichter: Fromme (Lichtenfels), Kiesker (Michelau) leiteten sehr sicher
Zuschauer: 330
Strafzeiten: HSG 2, Selb 8
Rote Karte: Korb (58./3x2)
Siebenmeter: HSG: 4/2, Selb 8/6

Eine Steigerung ist unverkennbar: Die Selber Mannschaft agiert mit Köpfchen, Routine und Disziplin, zeigt wenig Schwankungen und spult ihr Programm mit fast stoischer Gelassenheit ab. Tugenden, die dem HSG-"Kindergarten" fehlen, der nach wie vor hohen Schwankungen ausgesetzt ist. Das Experiment, mit dem reaktivierten Mirek Kraupner einen Ruhepol einzubauen, da Nikolai Schöffel nur bedingt einsatzfähig war, gelang nur bedingt. Kraupner erwies sich zwar als sicherer Ballverteiler, aber es wäre vermessen gewesen, von einem 44-Jährigen Offensivwunder zu erwarten.

Mit Ausnahme der 2:1-Führung und dem 10:10 kurz vor der Pause, liefen die Hausherren permanent einem Rückstand hinterher. Allerdings leisteten sie sich auch eine haarsträubende Fehlwurfquote, schossen "Fahrkarten" im Minutentakt. Carsten Kropf wurde richtiggehend warm geschossen und wuchs dann über sich hinaus. Fast ein Dutzend mal standen die HSG-Angreifer völlig frei vor ihm. Allein zwei Drittel dieser Bälle Mann gegen Mann parierte der Tausendsassa im Selber Tor. Seine Topbilanz am Ende: 18 gehaltene Bälle, dazu entschärfte Kollege Oliver Roch noch zwei Siebenmeter. Es hatte allerdings auch eine Order von HSG-Trainer Depolt gegeben, das Spielgerät doch mal nicht nur halbhoch, sondern flach zu werfen. Das ging offenbar im Übereifer unter oder wurde nicht beherzigt - vielleicht der Jugendlichkeit geschuldet.

Die HSG kam anfangs gar nicht in die Gänge, lag 2:6 zurück und hatte noch Glück, dass René Rieß Schlimmeres verhinderte. Aber sein Team kämpfte sich bis zur 23. Minute auf ein Tor (6:7) heran. Doch jedes Mal, wenn nach der Pause der Ausgleich möglich war (15:16/16:17/18:19), versagten Depolts Jungs auf breiter Front. Die Barriere Kropf schien unüberwindbar. Ob der fleißige, manchmal jedoch überpowernde Hartmann, der trotz seiner neun Tore noch einmal die Hälfte liegen ließ, Flasche, Bralic oder Wippenbeck - keiner bildete da eine Ausnahme. Der unbändigen Wille, das Ding zu drehen, war bei allen zu spüren. Allein, es fehlten die Mittel. Den oft statischen Aktionen fehlte das Überraschungsmoment.

Dieser HSG fehlt ein Denker und Lenker: Einmal geht es rum um den Kreis, dann wieder zurück. Alles ist irgendwie vorhersehbar. "Ein Traum für eine Abwehr", räumte TS-Trainer Horst Roch später ein. Der alte Fuchs sah natürlich, dass es genügte, in der Abwehr nur richtig zu verschieben. Den Rest erledigte sein Torhüter. Roch kommentierte den Erfolg kurz und bündig und keineswegs überschwänglich: "Das Ergebnis und der Kampf haben gepasst."

Auch er sieht noch Steigerungsbedarf. Seine Selber agierten über die starken Johannes Kempf und Patrick Mäsiar ungemein effektiv, kreuzten gut und schlugen just in dem Moment zu, wenn grade mal wieder ein Tor gebraucht wurde. Auf der anderen Seite wurde auch deutlich: Die Doppelwechsel in der Vorwärtsbewegung lähmen das HSG-Spiel, nehmen die Chance auf schnelle Konter.

Bitter für die Gäste: Michael Pauker schied bei seinem dritten Treffer zum 20:17 (52.) bei der Landung mit Verdacht auf Bänderriss im Knie aus. Bis dahin hatte der junge Außen ein prima Spiel gemacht.

Quelle: Marktredwitzer Tagblatt vom 31.01.11, Sport aus der Region, Bericht und Foto: Peter Perzl

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